03.06.2003 Kanonenbahnlauf: Schnell wachgerüttelt - TLZ

Der Kanonenbahnlauf in Lengenfeld hat Perspektive. Denn schon zur Premiere fand er eine Resonanz, die selbst die Vorstellungen der kühnsten Optimisten überstieg und schon vor dem Start die ersten Herausforderungen lieferte.
Nicht nur die spätere Frauen-Schnellste über die lange Strecke schwitzte vor dem Start zum ersten Kanonenbahn-Lauf in Lengenfeld mächtig: Verdammt, in welcher Ecke vom Auto sind bloß die Laufschuhe? In keiner. Heim nach Mühlhausen und flugs wieder hinunter an die Frieda. Dort mussten die Organisatoren den Start um eine Viertelstunde verschieben. Der Andrang beim Nachmelden hatte alle überwältigt, derart sogar, dass die Textilstartnummern - schöne mit Erinnerungswert, wie es sie nur Anfang der 90er Jahre gab - nicht ausreichten. 150 wurden gebraucht, knapp 110 hatte uns Friedola gesponsert, hieß es von den Organisatoren vom Kanonenbahnverein. Aber auch diese Klippe wurde gemeistert, so dass es viel Lob gab von der Läuferschar.
Doch besonders die Starter des Hauptlaufes wurden auf den knapp 15 Kilometern vor einige Bewährungsproben gestellt. Diejenigen, die noch vor dem Start versuchten, sich zu beruhigen mit manch trügerischem Satz wie "Ach, ich kenne mich hier aus, das wird nicht so happig", wurden bald heftig wachgerüttelt. Was es da an zwei Stellen zu erklettern und vor allem wieder hinabzufliegen galt, das hatte Rennsteigniveau. Gut dran war, wer wie Markus Horn aus Kammerforst das Ganze gemächlich angehen ließ und locker ins Ziel an der ehemaligen Kanonenbahnstrecke kam.
Dass dies kein Lauf wie jeder andere war, spürte Markus Horn. Als es über das Viadukt ging, stieß er einen kleinen Freudenschrei aus. Die Siege im Hauptlauf über 15 Kilometer gingen nach Hundeshagen und nach Mühlhausen. Ralf Buckler lief von Beginn an ein einsames Rennen. Hinter ihm, lange mit Sichtkontakt, schob sich Thomas Enkardt nach knapp sechs Kilometern auf Rang zwei; Thomas Schneller und der einheimische Holger Barf aus Lengenfeld/Stein folgten. Bei den Frauen blieben die Ränge eins, für Claudia Bachmann, und drei, für Sabine Zienert aus Körner, mit Startnummer 1 ins Rennen gegangen, im Gastgeberkreis.
"Mensch, das ging ganz schön hoch und runter", sagte Katja Dörre eine Stunde nach ihrem Zieleinlauf über 5,6 Kilometer. Vater Jochen, er hatte gerade die 15 Kilometer bewältigt, nahm seine Jüngste in den Arm und gratulierte der Schweitzer-Gymnasiastin, die sich in der Region zur Seriensiegerin auf 5-Kilometer-Strecken mausert.
Dass man sich als kleiner Lauf immer etwas Besonderes einfallen lassen muss, um attraktiv zu sein, das haben die Lengenfelder schon jetzt begriffen: Nicht nur, indem sie den Lauf über das Viadukt führen, sondern auch in der Gestaltung des Zieleinlaufs - es ging unter einem stilisierten Viadukt hindurch - und ihrer Siegerpokale. Die waren zur Premiere aus Steingut und zeigten das Eichsfelder Wahrzeichen. Von Claudia BACHMANN
03.06.2003

Zurück