07.05.2004 Verstecktes Potenzial - TLZ

LENGENFELD/STEIN. Die Nutzung der Kanonenbahn im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal als touristische Erlebnisstrecke mit Draisinenbetrieb und Fahrradangeboten - so lautet eine Studie der Fachhochschule Erfurt, die der Öffentlichkeit am Donnerstagabend erstmals vorgestellt wurde. Jörn Flaig und Sebastian Sommer ermuntern Förderverein und Kommunen zu dem Projekt.Die vorhandene Bahntrasse der Kanonenbahn im Abschnitt Küllstedt-Geismar einschließlich des Viaduktes über Lengenfeld unterm Stein zu erhalten und somit ein Stück regionale deutsche Eisenbahngeschichte und Ingenieurbaukunst des 19. Jahrhunderts künftigen Generationen zu bewahren, hat sich der Kanonenbahnverein Lengenfeld/Stein zur Aufgabe gemacht. Seit der abschnittsweisen Stilllegung der Strecke zwischen Ende 1992 und 1997 schlummert im Südeichsfeld ein bisher verstecktes Potenzial, um touristische Impulse in die eher strukturschwache Region zu tragen. Das hat der Kanonenbahnverein entdeckt und zu mehreren Aktionstagen den Betrieb mit Fahrrad-Draisinen erfolgreich getestet (diese Zeitung berichtete). Daraus allerdings eine tragfähige wirtschaftliche Grundlage für einen dauerhaften Betrieb und somit eine nachhaltige Nutzung ableiten zu wollen, erscheint Jörn Flaig und Sebastian Sommer von der Fachhochschule Erfurt etwas übereilt. In ihrer in Lengenfeld der Öffentlichkeit vorgestellten Studie versuchen sie, "über eine detaillierte Bestandsaufnahme und Analyse des touristischen Umfeldes und Potenzials die Eckdaten für die Machbarkeit abzustecken und den betrieblichen und umsetzungsbezogenen Rahmen zu setzen". Der derzeitige infrastrukturelle Zustand der Strecke ist nach Auffassung der beiden Experten für einen Draisinenbetrieb als "gut bis sehr gut geeignet einzustufen". Die grundlegenden Anforderungen an einen technologisch optimalen Betrieb der Bahn seien gewährleistet. Probleme bereiten jetzt bzw. in absehbaren Zeiträumen die investiven Herausforderungen zum Erhalt der Tunnel und Brücken entlang der Strecke. So werden beispielsweise die Kosten für die Sanierung des Abschnitts von Großbartloff nach Effelder auf rund 200 000 Euro geschätzt. Weil aber in Draisinenstrecken ein sehr großes Potenzial und eine Trendbewegung liegen, ermuntern die Vertreter der Fachhochschule Erfurt die Vereinsmitglieder und die bislang eingebundenen Kommunen, die touristische Erlebnisstrecke zu entwickeln. Empfohlen werden verschiedene Varianten und eine "häppchenweise Inbetriebnahme". Je nach Betriebsvariante und Besucherzahl könnte das Gastgewerbe jährlich zwischen 95 000 und 530 000 Euro an diesem Projekt verdienen. Reiner SCHMALZL
07.05.2004

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