09.09.2002 Ansturm auf die Brücke - TLZ

LENGENFELD/STEIN. Erstmals nach knapp zehn Jahren konnte die Lengenfelder Brücke zum Denkmaltag wieder teilweise begangen werden. Neben dem Viadukt waren das Schloss Bischofstein und die Obermühle Magnete für ein internationales Publikum.
Die rot-weiße Lengenfelder Gemeindeflagge flatterte wie vom Mast eines Schiffes, das am Ufer der Frieda vor Anker gegangen schien. Aus Richtung Struth/Faulungen und Geismar war unschwer auszumachen, dass rund um den Stahlkoloss über dem Eichsfeldort etwas Besonderes angesagt sein musste.
Denn erstmals seit Einstellung des Bahnverkehrs Ende 1992 konnte das Viadukt am Sonntag wieder betreten werden. Die Deutsche Bahn AG hatte auf zwei Brückensegmenten den Holzbelag erneuert und der Kanonenbahnverein sorgte für Sicherheitsgitter. So nutzten Hunderte Gäste die seltene Gelegenheit zu einem Blick aus der Vogelperspektive über Lengenfeld und das Friedatal. Zum zweiten Mal gab es an diesem Tag Fahrten mit der Handhebel-Draisine zwischen der Bahnbrücke und Schloss Bischofstein. Dort lud der Verein Internat Schloss Bischofstein ein, der am Vormittag Gastgeber der kreislichen Eröffnungsveranstaltung zum Tag des offenen Denkmals war.
Schloss Bischofstein sei beispielgebend für eine Reihe von Denkmalen, "wo es anfangs nur eine Hand voll Enthusiasten und manchmal nur Einzelpersonen waren, die an eine Auferstehung und Wiederbelebung alter Gemäuer glaubten." Das sagte Landrat Harald Zanker (SPD) vor einem internationalen Publikum in dem Barockschloss.
Denn unter den Gästen befanden sich auch Teilnehmer das Treffens der so genannten Alt-Bischofsteiner, dem Schülerkreis der 1945 geschlossenen Internatsschule. Hildegard und Karl-Hermann Mund sowie Helene und Hans Bohrish aus Kanada und weitere Alt-Bischofsteiner aus Brasilien, Österreich und ganz Deutschland sehen der Renaissance des historischen Gemäuers über Lengenfeld besonders erwartungsfroh entgegen. Nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Klaus-Dieter Häßler soll im nächsten Jahr der Internatsbetrieb in Bischofstein aufgenommen werden. Über 2000 Besucher wurden zum Denkmaltag in dem Eichsfeldort verzeichnet.
Ein Musterbeispiel für denkmalpflegerisches Wirken, das zudem in einem tragfähigen Nutzungskonzept mündete, ist das Goldackersche Schloss in Weberstedt. Nach Angaben von Architekt Wolfram Schindler sei das Schloss ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Weberstedt geworden. Zusätzlich hätten sechs arbeitslose Frauen einen festen Arbeitsplatz bekommen.
Ebenso vielversprechend sind die Bemühungen zur Sanierung der Burgruine Herbsleben. So hat sich herausgestellt, dass das Schloss Herbsleben ein kleiner Nachbau von Schloss Friedenstein in Gotha war. Sabine Ortmann vom Landesamt für Denkmalpflege würdigte das Engagement und die Lobby für Denkmale im Unstrut Hainich-Kreis. Denkmalpflege werde hier nicht nur als kulturpolitischer, sondern auch als wirtschaftpolitischer Aspekt verstanden. Reiner SCHMALZL
09.09.2002

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