12.08.2002 Sonderfahrten auf der Kanonenbahn - TLZ

LENGENFELD UNTERM STEIN.Plötzlich stand Margaretha Stude in ihrer alten Dienstuniform, mit Kelle und Trillerpfeife an der Sonderstrecke, als anlässlich des 10. Anger- und Brückenfestes der Draisinen-Pendelverkehr zwischen dem Viadukt und Schloss Bischofstein aufgenommen wurde.
Knapp zehn Jahre nach Einstellung des Bahnbetriebes zwischen Leinefelde und Geismar hatte Lengenfelds letzte Bahnhofswärterin am Wochenende noch einmal einen ganz großen Auftritt und überprüfte die Fahrkartenausgabe an dem provisorischen Haltepunkt. Damit verblüffte die 58-Jährige die Organisatoren und Gäste, darunter Landrat Harald Zanker (SPD) und Ines Gliemann von der Unteren Denkmalbehörde der Kreisverwaltung.
Über 400 Gäste aus ganz Thüringen, Düsseldorf, Detmold, Krefeld, Tübingen, Bad Hersfeld, Duderstadt und Berlin ließen sich die Fahrten mit der Handhebel-Draisine auf der rund ein Kilometer langen Strecke nicht entgehen. Viele "Reisende" standen mehr als eine Stunde an für das naturnahe Erlebnis mit der Mini-Eisenbahn. Endlich kommt der Rost von den Schienen, meinte ein junger Mann aus Tübingen. Der gebürtige Dingelstädter wollte seinen beiden Söhnen unbedingt ein Stück Eichsfelder Eisenbahnromantik vermitteln, ehe es am Sonntagabend wieder zurück nach Baden-Württemberg gehen sollte.
Viele Lengenfelder in der Fremde kamen zu dem besonderen Spektakel auf der einstigen Kanonenbahn, wobei auch manche Episode aus alten Zeiten erzählt wurde. So erinnerte sich Hermann Menge aus Düsseldorf an seine Kindheit, als er umweit der Bahnstrecke und der Brücke mit seinen Freunden spielte. Außerdem ist er immer mit der Bahn von Lengenfeld zum Gymnasium nach Heiligenstadt gefahren. Auch Elisabeth Höppner aus Detmold, deren Großvater aus Lengenfeld stammt, zählte zu den begeisterten Fahrgästen. "Herrlich, vielen Dank", sagte die Gothaerin Erika Hiller am Ende der Draisinenfahrt.
Viele Besucher waren etwas enttäuscht, weil sie die einzigartige Brücke nicht betreten durften. Doch bei einem Blick aus der Nähe leuchtete ihnen schnell ein, dass das denkmalgeschützte Bauwerk wirklich dringend sanierungsbedürftig ist. "Es ist schön, dass das erhalten wird", erklärte Inge Fischer, die nach 35 Jahren in der Fremde wieder in die Heimat zog.
Winfried Stöber und Hubert Steinwachs vom Kanonenbahn- und vom Feuerwehrverein zeigten sich als Organisationschefs zufrieden mit der Resonanz des Jubiläumsfestes. Denn auch die Gäste, die sich rund um das Feuerwehrdepot eingefunden hatten, kamen voll auf ihre Kosten. Dort unterhielten die Tanzgruppen des BSV "Blau Weiss 22" und die Diedorfer Gruppe "Estanas" mit ihrem breiten Repertoire die Gäste. Die Kinder konnten sich nicht nur schminken lassen, sondern sich als Maler an einer Autokarosse künstlerisch betätigen. Reiner SCHMALZL
12.08.2002

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