14.3.2005 Nicht nur Signale fehlen - TA


In Draisinenfahrten und dem Ausbau eines Radweges entlang der stillgelegten Eisenbahnstrecke im Südeichsfeld sieht der Kanonenbahnverein Lengenfeld/Stein Chancen, mehr Gäste in die Region zu locken. Zur Jahreshauptversammlung des Fördervereins zur touristischen Erschließung der Kanonenbahn am Wochenende wurden jedoch die Zukunftsaussichten für das "Erlebnis Kanonenbahn" ernsthaft in Frage gestellt.
LENGENFELD/STEIN. Der vor drei Jahren gegründete Kanonenbahnverein Lengenfeld/Stein will die ehemalige Nebenbahn von Dingelstädt bis Geismar einschließlich aller Kunstbauten erhalten und durch einen regelmäßigen Draisinenbetrieb und einen Radwanderweg nutzen. Dass sich damit der Tourismus ankurbeln lässt, beweisen nicht nur die inzwischen etablierten Draisinenstrecken in Deutschland, sondern auch die erfolgreichen Aktionstage auf Abschnitten der Eichsfelder Kanonenbahn seit dem Jahr 2002. Das Projekt droht jetzt allerdings zu scheitern, wenn nicht bald Klarheit über die Zuständigkeit bzw. das Eigentum der Strecke herrscht. Für den Draisinenbetrieb sind nämlich jeweils komplizierte Genehmigungsverfahren erforderlich. Außerdem verlangt die Bahn AG eine beträchtliche Miete für die Nutzung der Gleise. Favorisiert wird daher die Übertragung der Strecke von der Bahn an die Anrainerkommunen. Dazu gibt es geteilte Auffassungen, wie eine Diskussion zur Jahreshauptversammlung des Kanonenbahnvereins am Wochenende im Lengenfelder Bürgerhaus zeigte. Die Gemeinde Küllstedt habe Interesse an dem Tourismusprojekt, sagte dessen erster Beigeordneter, Wolfgang Montag. Allerdings sprach er sich zunächst für kleine Teilabschnitte aus. Es seien viele Probleme mit einer kommunalen Beteiligung verbunden, warnte Jörg Engelmann-Bärenklau als Chef der Verwaltungsgemeinschaft Lengenfeld unterm Stein/Hildebrandshausen. Man müsse sich ernsthaft damit befassen, was machbar ist, erklärte Bernward Seipel, neu gewählter Vereins-Vize. "Es macht nur Sinn, wenn es gelingt, Touristen in Größenordnung hierher zu locken." Das bekräftigte zuvor auch Harald Hunold, Vorsitzender des Radfahrvereins Leinefelde: "Wir wollen, dass neben der Draisine auch ein Radweg geschaffen wird." Seinem Verein gehe es um einen Lückenschluss des Leine-Radweges nach Dingelstädt und die Fortsetzung entlang der Kanonenbahn bis zur Werra. Nur so könne dem Negativtrend des Eichsfeldes im Tourismus begegnet werden. Eingebettet in das dritte Kanonenbahnfest vom 5. bis 8. Mai ist eine kleine Festveranstaltung anlässlich des 125-jährigen Streckenjubiläums der Eichsfelder Kanonenbahn im Schloss Bischofstein. Dabei will Bernward Seipel den ersten Teil des Kanonenbahnmuseums präsentieren, das im Dezember in Großbartloff eröffnet werden soll. Seipel, der die Mitglieder und Gäste der Jahreshauptversammlung zu einer fiktiven Reise auf der Kanonenbahn Berlin - Koblenz - Metz mitnahm, arbeitet außerdem an einem Bildband über die Strecke. Während der Neuwahl wurden Winfried Stöber als Vereinsvorsitzender und Hermann Redemann als Schatzmeister für weitere drei Jahre in ihren Ämtern bestätigt. Dem bisherigen Stellvertreter des Vorsitzenden, Martin Hardegen, wurde Dank gesagt. Die bei einer Enthaltung angenommene Satzungsänderung ebnet des Weg, dass sich der Verein auch an Unternehmen anderer Rechtsformen beteiligen und solche gründen darf.
13.03.2005 Von Reiner SCHMALZL

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