20.09.2003 Auf der Brücke begegnet - TLZ

LENGENFELD/STEIN. Auch wenn die Brücke über Lengenfeld/Stein vor mehr als zehn Jahren ihre eigentliche Funktion verloren hat, verbindet das interessante Bauwerk heute zunehmend Menschen und deren Interessen. Seit es durch den Kanonenbahnverein zu bestimmten Höhepunkten wieder zugänglich gemacht wird, erfreut sich der Viadukt also großer Beliebtheit. Der Zufall wollte es, dass sich Margareta Stude als letzte Wärterin des Bahnhofs Lengenfeld/Stein und Bürgermeister Wolf-Michael Kühmstedt (CDU) aus Herbsleben zum Denkmaltag auf der Lengenfelder Brücke begegneten. Durch ein Mitglied des Kanonenbahnvereins kamen die Passanten über den Dächern des Eichsfeldortes nach einer anfänglichen Plauderei zu einer intensiven Diskussion. So berichtete Margareta Stude, dass es ihrer Familie nach der Streckenschließung leider nicht gelang, den Bahnhof zu erwerben. Weil die finanziellen Forderungen der Bahn utopisch waren, zogen die Studes aus ihrer Dienstwohnung und bauten sich an einer anderen Stelle ein neues Haus, das übrigens nur einen Steinwurf vom Bahngleis liegt. Der Lengenfelder Bahnhof hingegen verfällt zusehends.Einen regelrechten Kampf mit Bahn AG und Behörden führt seit geraumer Zeit auch Bürgermeister Kühmstedt, um das Terrain des Herbsleber Bahnhofs für die Kommune zu erwerben und damit Planungshoheit zu erlangen. Andererseits zeigte sich der Gast und Eisenbahnfreund vom anderen Zipfel des Unstrut-Hainich-Kreises anerkennend über die Aktivitäten des Fördervereins zur touristischen Erschließung der Eichsfelder Kanonenbahn. Natürlich nutzte Wolf-Michael Kühmstedt seinen Abstecher auch zu einer Draisinefahrt. Die vier Fahrraddraisinen waren während des jüngsten Aktionstages wieder voll ausgebucht, erklärte Vereinschef Winfried Stöber, dem in Hermann Redemann und Martin Hardegen tatkräftige Organisatoren zur Seite hatte. Die Touren auf der rund fünf Kilometer langen Strecke zwischen dem Entenbergtunnel und der so genannten Teufelsnase in Richtung Geismar erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Den Verein erreichen jetzt zunehmend Anfragen, den Draisinenbetrieb und die Strecke dafür zu erweitern. Vorgesehen ist einmal, den 24,5 Kilometer langen Abschnitt von Dingelstädt bis Geismar dafür zu nutzen. Zum Bahnhofsfest am 4. Oktober anlässlich des Thüringentages präsentiert sich der Eichsfelder Verein ein weiteres Mal der Öffentlichkeit und lädt dann auf dem Mühlhäuser Bahnhof zu Draisinefahrten ein.Die Spaziergänge über die Lengenfelder Brücke nutzten jetzt vorwiegend Gäste von außerhalb, die sich aus der Vogelperspektive von Einheimischen manche Häuser und deren Geschichte erläutern ließen. Während über dem St.-Elisabeth-Krankenhaus noch die Richtkrone thronte, erwacht auf der anderen Seite auch Schloss Bischofstein zu neuem Leben. Reiner SCHMALZL
19.09.2003

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