22.04.2002 Motor für den Tourismus - TA

LENGENFELD/STEIN.Die Kanonenbahn könnte nicht nur eine historische Bedeutung haben, sondern auch ein Motor für den Tourismus in der Region sein. Davon zeigte sich Dr. Johannes Hager, Leiter der Naturparkverwaltung Eichsfeld-Hainich-Werratal, am Wochenende zur Gründung des Kanonenbahnvereins Lengenfeld unterm Stein (KVL) überzeugt.
"Wir müssen vielleicht versuchen, neue Wege zu gehen", sagte Dr. Hager. So könnte die Bahnstrecke eine neue Bedeutung erlangen. Denkbar wäre nämlich auf einem Teilabschnitt ein Draisinen-Betrieb, gekoppelt mit dem Wanderbus. Dies schwebt auch dem am Samstag offiziell aus der Taufe gehobenen Förderverein zur touristischen Erschließung der Eichsfelder Kanonenbahn vor. In erster Linie geht es dem Verein zunächst um die Erhaltung des 237 Meter langen und 24 Meter hohen Viadukts über Lengenfeld.
Unter den 23 Gründungsmitgliedern befinden nicht nur Eisenbahnfreunde und junge Leute aus diesem Dorf, sondern auch aus anderen Orten. So traten beispielsweise Küllstedts Bürgermeister Gerhard Orschel (CDU) und Burkhard Becker vom Geschäftsbereich Netz der Deutschen Bahn AG in Halle bei. Zum ersten Vereinsvorsitzenden wurde Winfried Stöber und zum Stellvertreter Martin Hardegen gewählt. Die geheime Wahl leitete die Küllstedter Landtagsabgeordnete Christina Tasch (CDU). Bei dem KVL handelt es sich übrigens um den inzwischen vierten Kanonenbahnverein um die frühere Strecke Berlin - Leinefelde - Treysa - Koblenz und Metz an der französischen Grenze.
Die Deutsche Bahn AG steht laut Burkhard Becker, als Planer für Brücken bei der DB Halle zuständig, zu ihrer Verpflichtung, die Lengenfelder Brücke zu erhalten. Und: "Wir wollen den Verein nach Kräften unterstützen." Eine Wiederinbetriebnahme der am 31. Dezember 1992 stillgelegten Strecke sei allerdings "nicht erkennbar, zumal schon einige Teilabschnitte entwidmet wurden."
Bürgermeister Augustin Dienemann würdigte die gegenwärtigen Arbeiten an der Brücke. Die Bahn wechselt nämlich den schadhaften Bodenbelag aus. Andererseits müsse man schon ein bisschen verrückt, ja ein Fantast sein, um mit der Vereinsgründung solch hochgesteckte Ziele zur Ankurbelung des Tourismus und zur Erhaltung des Baudenkmals anzugehen, meint Dienemann. Er dankte allen, die die wochenlangen Vorbereitungen und die erfolgreiche MDR-Aktion "Restmoneten" unterstützt haben, wodurch der Kanonenbahnverein nun voll handlungsfähig sei. Eine intgeressante Reise in die Vergangenheit unternahm Volker Göbel aus Eschwege, der in einem Diavortrag Bilder von 1968 bis 2001 auf der Strecke Schwebda - Küllstedt zeigte. Reiner SCHMALZL
22.04.2002

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