24.5.2004 Schwitzen für den Scheck - TLZ

Für Naturliebhaber, Wanderer, Läufer und Eisenbahnfreunde war Lengenfeld/Stein an diesem Wochenende zum Anziehungspunkt geworden. In die Eichsfeldgemeinde lockten die diesjährigen Naturparktage Eichsfeld-Hainich-Werratal, die Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) am Samstag im Festzelt am Sportplatz eröffnet hatte. Das gleichzeitig stattfindende Kanonenbahnfest hatte für eine besondere Note gesorgt.
Von Frank BÖRNER Für Naturparkchef Dr. Johannes Hager und den Vorsitzenden des Kanonenbahnvereins, Winfried Stöber, war das ein Stück harter Arbeit. Über fünf Kilometer, davon die Hälfte mit stetem Anstieg, kutschierten die beiden am Samstag den Thüringer Ministerpräsidenten mit der Fahrrad-Draisine über die Gleise der legendären Kanonenbahn. Wofür Otto-Normal-Besucher zehn Euro bzw. zwölf Euro berappen musste, das war dem Schirmherren der Naturparktage zum Geschenk gemacht worden. Althaus hatte zuvor dem Kanonenbahnverein einen Scheck aus Lottoüberschüssen überreicht. 4500 Euro. Dafür lohnte der Einsatz.
Über die drei Regionen Eichsfeld, Hainich und Werratal und damit über drei Landkreise (Wartburgkreis, Unstrut-Hainich-Kreis und Eichsfeldkreis) erstreckt sich der Naturpark. Doch von einem Treffen der Regionen war noch wenig zu spüren, als am Samstagnachmittag Schirmherr und Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) im Festzelt am Sportplatz von Lengenfeld/Stein vor rund 300 Gästen die Naturparktage eröffnete. Die Eichsfeldgemeinde ist in diesem Jahr Gastgeber für die inzwischen 11. Naturparktage, die diesmal ihre Eigenart daraus beziehen, dass der Kanonenbahnverein mitfeiert. Hintergrund sind die zielstrebigen Bemühungen des Vereins, ein rund 24 Kilometer langes Teilstück der einstigen Kanonenbahn wiederzubeleben. Sichtbares Zeichen dafür ist der Viadukt, der Lengenfeld unterm Stein überspannt. Ein Baudenkmal, dem ohne sinnvolle Nutzung der Verfall droht. Fahrten mit der Draisine durch eine sehenswerte Landschaft und über die Eisenbahnbrücke sollen zu einem touristischen Anziehungspunkt werden. Auch dafür warben die Naturparktage an diesem Wochenende. Thüringens Ministerpräsident Althaus, selbst Eichsfelder, versprach das Engagement des Landes in den nächsten Jahren und machte den Anfang mit einem Geldgeschenk. Für die 4500 Euro soll nach Auskunft von Vereinsschatzmeister Hermann Redemann eine weitere Draisine angeschafft werden, das fünfte Gefährt dieser Art dann. Einen Eindruck davon, was man vorhat, bekam Thüringens Ministerpräsident gratis. Der Reporter dieser Zeitung hatte nach der Freifahrt noch einen Freiflug bekommen. Der Aufprall der Draisine auf das Wendegestell katapultierte ihn aus dem Sitz und auf die Gleise.
Für mehrere Wandervereine war Lengenfeld/Stein am Samstag das Ziel einer Wanderung. Die Gunst der Stunde nutzend, wurden die Erinnerungsurkunden an diesen Moment von Dieter Althaus an die Vereinsvertreter überreicht.
Zuvor hatten die Jagdhornbläser aus Anrode und der örtliche Kindergarten "St. Franziskus" mit musikalischen Darbietungen den Schirmherren willkommen geheißen. Den Unterschied zwischen einer Linde und einem Ahorn wird der Ministerpräsident allerdings noch lernen müssen. Der ehemalige Lehrer nahm das von Vanessa und Julia aus dem Kindergarten geschenkte Ahornbäumchen als Linde an.
Bürgermeister Augustin Dienemann bot angesichts der Naturparktage in seinem Dorf eine weitere wichtige Rolle an, die Lengenfeld/Stein spielen sollte: Man wolle Bindeglied zwischen Natur- und Nationalpark sein, sagte er. Mit dem Kommunaltag auf Schloss Bischofstein erleben die Naturparktage heute ihren vierten und letzten Tag. Auch dafür zeichnet sich großes Interesse ab, hieß es am Samstag.
23.05.2004

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